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| Neokonservative
in völliger Auflösung: Wähler bestrafen die
Republikanische Partei für den Iran-Krieg Falken wie Mark Levin, Rebecca Heinrichs und Marc Thiessen sind noch nicht bereit, sich einzugestehen, dass sie falsch lagen. Harrison Berger
Lange Zeit hieß es, dass außenpolitische Themen bei der Wahlentscheidung der Amerikaner keine Rolle spielen. Doch die Ergebnisse der Zwischenwahlen vom Dienstag haben die Grenzen dieser Annahme aufgezeigt: Eine große Mehrheit der Wähler lehnt den von der Trump-Regierung geführten Iran-Krieg ab. Schon vor der Wahl deutete eine Umfrage von Fox News im Oktober darauf hin, dass der Iran-Krieg und damit verbundene Probleme wie Inflation und Benzinpreise zu den größten Sorgen der Wähler zählten. Nachwahlbefragungen von NBC News ergaben, dass 74 % der Wähler den Iran-Krieg als entscheidenden oder wesentlichen Faktor für ihre Wahlentscheidung betrachteten, während 62 % der Ansicht waren, dass der Einsatz militärischer Gewalt gegen den Iran eine Fehlentscheidung war. Für die vehementesten Befürworter und Fürsprecher des Krieges kam dies offenbar als böse Überraschung hatten sie ihren Anhängern doch versichert, dass es zu einer solchen Gegenreaktion nicht kommen würde. Einige haben ihre Fehler inzwischen eingeräumt, viele andere jedoch nicht. Diese Spaltung hat zu einem regelrechten internen Schusswechsel geführt: Neokonservative gehen nun aggressiv gegen jene in den eigenen Reihen vor, die zugeben, dass der Krieg ein Fehler war. Will Chamberlain, leitender Rechtsberater beim Article III Project, zählte in der konservativen Medienwelt zu den lautstärksten Befürwortern des Krieges. Am 17. April 2026 sechs Wochen nachdem Trump und Israel den Krieg begonnen hatten schrieb Chamberlain: Wir bekommen das angereicherte Uran. Wir stoppen die Anreicherung. Wir beenden die Finanzierung von Stellvertretergruppen. Er fügte hinzu, die USA hätten deren Luftwaffe, Marine, Luftverteidigung, rüstungsindustrielle Basis und die oberste Führungsebene zerstört. Sein Fazit: Das alles in nur sechs Wochen. Ein geopolitischer Geniestreich. In einem Interview mit The Blaze im April wurde Chamberlain gefragt, wie der aktuelle Iran-Krieg zum Zeitpunkt der Zwischenwahlen (Midterms) aussehen würde. Er antwortete zuversichtlich: Ich glaube, bei den Zwischenwahlen wird das ehrlich gesagt nur eine Randnotiz sein. So schätze ich das jedenfalls ein. Ich gehe davon aus, dass andere Themen die Diskussion beherrschen werden. Doch nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse am 3. November räumte Chamberlain schließlich ein, dass der Iran-Krieg eindeutig katastrophal unbeliebt ist und beendet werden muss. Chamberlains Eingeständnis hebt ihn von einer ganzen Reihe von Neokonservativen ab, die die öffentliche Meinung in den USA zum mittlerweile acht Monate andauernden Iran-Krieg weiterhin ignorieren. Sie greifen sogar Mitglieder aus den eigenen Reihen an, die die inzwischen offensichtliche Tatsache anerkennen: Die Amerikaner unterstützen diesen Krieg nicht, und ihre Frustration über den Konflikt hat sie dazu bewegt, landesweit gegen die Republikaner zu stimmen. Mark Levin, ein enger Vertrauter von Präsident Donald Trump und fanatischer Unterstützer Israels, hatte seinem Publikum im September noch versichert, der Iran-Krieg sei für die Wähler ein Thema, das nur 4 Prozent ausmache. Er erklärte: Was auch immer bei den Zwischenwahlen passiert es hat nicht den Anschein, als würde der Iran-Krieg in die eine oder andere Richtung den Ausschlag geben. Ben Shapiro, ein weiterer Verfechter einer Israel-zuerst-Politik, stimmte dem zu: Ich glaube, das ist absolut richtig. Wochen später als er offenbar die drohenden Verluste der Republikaner spürte, die auf deren Unterstützung für den Iran-Krieg zurückzuführen waren erklärte Levin, es sei nicht meine Schuld!, falls die Republikaner am Dienstag eine schwere Niederlage erleiden sollten. Der Multimillionär und Fox-News-Moderator tat die wirtschaftlichen Belastungen, unter denen amerikanische Familien durch den Krieg leiden, einfach ab. Er behauptete: Die überwältigende Mehrheit von uns ist vom [Iran-Krieg] überhaupt nicht betroffen, und fügte hinzu: [Wenn wir verlieren], dann liegt das nicht am Iran-Krieg, nicht am Benzinpreis... Die von Iran verhängten Beschränkungen für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus eine Wasserstraße, die bis zum 28. Februar dieses Jahres täglich frei und offen zugänglich war haben die Öl- und Dieselpreise in die Höhe getrieben. Dies führte zu Preisanstiegen an den Tankstellen und erhöhte die Kosten für die Amerikaner entlang der gesamten landwirtschaftlichen und logistischen Lieferketten. Mark Zandi, Chefökonom bei Moodys Analytics, schätzte gegenüber NBC News im Juli, dass der Iran-Krieg den durchschnittlichen amerikanischen Haushalt bereits mindestens 1.200 Dollar mehr gekostet hat, als es ohne den Krieg der Fall gewesen wäre. Die pro-israelische Abgeordnete Nancy Mace (Republikanerin aus South Carolina), die den Krieg anfangs unterstützte, sich später aber gegen ihn wandte, griff Levin am Morgen nach der Wahl auf X an. Sie schrieb: Mark Levin ist ein Vollidiot. Und er hat maßgeblich zu den verheerenden Verlusten beigetragen, die die Republikaner gestern Abend hinnehmen mussten. Levin reagierte auf Mace, indem er sie als eines der geistig gestörtesten Miststücke, die je im Kongress saßen, bezeichnete. Er fügte hinzu: Wir haben gestern Abend aus vielen Gründen verloren unter anderem wegen nutzloser, sich selbst inszenierender Nichtsnutze wie dir. Vertschüss dich, du Verrückte. Rebeccah Heinrichs vom Hudson Institute einem neokonservativen Thinktank, der von BAE Systems, Bechtel, Boeing, General Dynamics, L3 Harris, Raytheon, Palantir Technologies, Lockheed Martin und anderen Rüstungsunternehmen finanziert wird zählt ebenfalls zu den enthusiastischsten Befürwortern eines militärischen Vorgehens. Sie tritt regelmäßig bei Fox News auf, um für einen Krieg gegen den Iran zu werben ein Unterfangen, das letztlich nur den Geldgebern des Hudson Institute aus der Rüstungsindustrie zugutekommen kann. Während Kriegsbefürworter wie Chamberlain erkennen, dass ein Krieg gegen den Iran bei den Wahlen ein politisches Verlustgeschäft darstellt, hält Heinrichs unbeirrt an ihrer Unterstützung fest. Sie gibt nicht etwa denjenigen Regierungsvertretern die Schuld am Wahlergebnis, die den Krieg befürwortet haben, sondern jenen, die versuchten, auf diplomatischem Wege mit dem Iran zu verhandeln. Sobald die Entscheidung gefallen war, den Kampf in den Iran zu tragen, hätten wir das auch konsequent durchziehen müssen. Trump hätte Senator Rubio und Admiral Cooper damit beauftragen sollen, dies der Wählerschaft zu erklären. Das sollten sie immer noch tun, schrieb sie auf X. Auf X tauschte sie sich zudem mit David Reaboi aus, dem Präsidenten von Strategic Improvisation einem Unternehmen, das sich selbst als Kommunikationsfirma, spezialisiert auf die Entwicklung und Umsetzung wirkungsvoller und flexibler Strategien im Bereich der nationalen Sicherheit beschreibt. Reaboi kommentierte dies wie folgt: Ich weiß nicht. Es scheint, als wäre der eigentliche Fehler nicht gewesen, den Krieg (gegen den Iran) nicht zu gewinnen sondern auf Leute zu hören, die dafür plädierten, ihn zu verlieren. Andrew Day von der Publikation The American Conservative der den Krieg gegen den Iran von Anfang an ablehnte und dessen Auswirkungen auf die Zwischenwahlen (Midterms) bereits vorhersagte fasste Heinrichs Haltung auf X so zusammen: Wir haben den Krieg gegen den Iran nicht energisch genug geführt. Wir hätten ihn noch entschlossener führen sollen. Dann hätten die Republikaner gewonnen. Vizepräsident JD Vance, der den Krieg gegen den Iran öffentlich unterstützt und verteidigt hat, räumte am Mittwoch selbst ein: Der Grund für unsere Niederlage ist der Krieg. Er erklärte, die Wähler hätten sich von der Republikanischen Partei gewünscht, dass sie den Krieg beendet, sich auf die Lebenshaltungskosten und die Inflation konzentriert, Amerika an erste Stelle setzt und das Verhältnis zu Israel neu gestaltet. Für dieses Eingeständnis wurde Vance auf X von dem ehemaligen israelischen Sprecher Eylon Levy angegriffen. Levy erklärte: Wir sind nicht die Ursache für irgendeines eurer Probleme. Zudem betonte er, es sei unmöglich, derartige Ansichten von dem milliardenschweren Desinformationskrieg zu trennen, der von den Gegnern des Westens geführt wird, um Amerika von seinem Verbündeten zu entfremden ebenso wie von einer langen Geschichte, in der andere zu Sündenböcken gemacht wurden. Ein weiterer, entschieden pro-israelischer Wortführer, Marc Thiessen, widersprach Vances Analyse. Auf X schrieb er: Trump hat nicht gesagt: Der Grund, warum wir verloren haben, ist der Krieg. Er sagte: Der Iran war ein Teil davon. Er sagte außerdem: Ich habe das Richtige getan. Ich würde es wieder tun, und: Ich bin absolut davon überzeugt, dass meine Entscheidung bezüglich des Iran im langfristigen Interesse unseres Landes und sogar der Welt absolut richtig war und nach wie vor ist. Wenn Sie anderer Meinung sind, dann sagen Sie das auch. Ob man nun zustimmt oder nicht das ist zumindest ehrlich. Der überzeugte pro-israelische Radiomoderator Sid Rosenberg bezeichnete Vances Tweet unterdessen als weiteren Beweis dafür, dass ich diesen Mann niemals zum Präsidenten der Vereinigten Staaten wählen könnte. Er stellte zudem die Frage, warum Trump zulassen würde, dass ihn jemand in seiner Regierung untergräbt. Mark Levin schloss sich dem an und nannte Vances Beitrag verblüffend. |
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| erschienen am 5. November 2026 auf > RESPONSIBLE STATECRAFT > Artikel | |||
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