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irgendjemand die tatsächliche Lage? Paul Craig Roberts
Professor John Mearsheimer, einer der eher realistisch orientierten Experten für US-Außenpolitik, ist gerade von einer mehrtägigen Reise nach Moskau und St. Petersburg zurückgekehrt. In diesem 46-minütigen Video berichtet er von seinen Gesprächen mit dem russischen Außenminister Lawrow sowie russischen Experten für Außenpolitik und schildert seine Einschätzung der Auswirkungen des Krieges und der Sanktionen auf Russland: (> LINK) Mearsheimer berichtet, er habe kaum Anzeichen für Auswirkungen des Krieges wahrgenommen abgesehen von Warteschlangen an einigen Tankstellen und keinerlei Hinweise auf Auswirkungen der Sanktionen auf die russische Wirtschaft. Er besuchte allerdings keine Standorte der russischen Ölförderung oder -raffinerie, an denen es Berichten zufolge Schäden durch Drohnenangriffe gegeben hat. Die Hauptauswirkung der Sanktionen besteht darin, dass sie für Amerikaner, die nach Russland reisen, Unannehmlichkeiten verursachen. Da es keine Direktflüge mehr gibt, musste Mearsheimer über die Türkei anreisen. Vor Ort stellte er fest, dass er weder seine amerikanischen Kreditkarten noch US-Währung verwenden konnte und somit ohne Geldmittel dastand. Angesichts der Neigung westlicher Medien, Propaganda mit Fakten zu vermengen, vermitteln die 46 Minuten mit Mearsheimer ein ausgewogeneres Bild der Lage und ihres wahrscheinlichen Ausgangs. Es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich Mearsheimers Bericht hier vorstelle. Ich möchte damit aufzeigen, dass selbst jene seltenen amerikanischen Außenpolitikexperten, die eigenständig denken können und nicht bloß die offiziellen Narrative wiederholen, vieles übersehen. Ich will Mearsheimer damit nicht kritisieren. Ich bewundere ihn und Professor Stephen Walt, da sie als einzige unter hochrangigen amerikanischen Akademikern den Mut aufbrachten, die Israel-Lobby in ihrem gleichnamigen Buch aus dem Jahr 2007 zu entlarven. Sie hätten zwar härter mit der Israel-Lobby ins Gericht gehen können, waren sich jedoch bewusst, dass eine solche Enthüllung dazu führen würde, als Antisemiten abgestempelt zu werden; zudem hätte eine zu scharfe Kritik dazu führen können, dass das Buch zurückgezogen oder gar nicht erst veröffentlicht worden wäre. Im Folgenden werden die Punkte aufgeführt, an denen Mearsheimers Verständnis des Ukraine-Konflikts und seiner Auswirkungen Schwachstellen aufweist. Versuchen wir zunächst, die Ukraine zu definieren. Dies ist wichtig, denn Mearsheimer vertritt die Ansicht, dass die ukrainischen Nationalisten ihr Territorium zurückfordern werden, sobald der Krieg beendet ist und die Ukraine nur noch aus dem westlichen Teil besteht. Doch handelt es sich dabei tatsächlich um ukrainisches Territorium? Ist irgendein Gebiet tatsächlich ukrainisch? Historisch gesehen lautet die Antwort offenbar: Nein. Die Ukraine entstand 1991 mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, der auf die Festnahme des sowjetischen Präsidenten Gorbatschow durch das Politbüro folgte. Washington löste im Sinne der Wolfowitz-Doktrin amerikanischer Hegemonie die Ukraine von Russland ab und schuf erstmals in der Geschichte einen unabhängigen ukrainischen Staat; ein heute 35 Jahre altes, brandneues Land, das von Washington als Waffe gegen Russland konzipiert wurde. Während der Sowjetzeit hatten die sowjetischen Behörden den Donbass und die Krim russische Gebiete mit russischer Bevölkerung aus politischen und administrativen Gründen der Ukrainischen Sowjetrepublik angegliedert. Damals spielte dies keine Rolle, da Russland und die Ukraine zwei Provinzen der Sowjetunion waren, vergleichbar etwa mit Massachusetts und New York als Teil der Vereinigten Staaten. Vom 14. Jahrhundert bis 1664, als das Gebiet wieder an Russland fiel, war das Territorium der Ukraine Teil der Polnisch-Litauischen Union. Tatsächlich betrachtet die russische Geschichtstradition die Kiewer Rus im Jahr 882 von dem Wikingerfürsten Oleg von Nowgorod in Kiew gegründet als den Ursprung der russischen Staatlichkeit. Die Kiewer Rus zerfiel 1240, als Russland vom Mongolischen Reich besetzt wurde. Es ist unklar, warum die Russen als Slawen gelten, wo das Land doch von Skandinaviern gegründet und später von Mongolen regiert wurde. Schon vor der Gründung der USA war die Ukraine Teil des russischen Staates und blieb dies bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991. Als Washington 2014 die prorussische ukrainische Regierung stürzte und ein antirussisches Regime installierte, stimmten die Krim und der Donbass mit fast 100-prozentiger Mehrheit für eine Wiedervereinigung mit Russland. Putin akzeptierte das Votum der Krim, lehnte jenes des Donbass jedoch ab. Stattdessen initiierte er das Minsker Abkommen, das den Donbass zwar bei der Ukraine beließ, ihm aber ein gewisses Maß an Autonomie gewährte, um die russische Bevölkerung vor Diskriminierung durch ukrainische Polizei und Justiz zu schützen. Aus diesem fatalen Fehler Putins entwickelte sich der Konflikt in der Ukraine. Anstatt das Minsker Abkommen einzuhalten, baute Washington eine schlagkräftige ukrainische Armee auf, um in die abtrünnigen russischen Provinzen des Donbass einzumarschieren und sie zurückzuerobern. Es war das drohende Massaker an den Russen im Donbass, das Putin zum Handeln zwang. Er hatte keine Alternative zum Eingreifen, doch Russland war nicht auf einen Krieg vorbereitet, da Putin törichterweise auf Verhandlungen mit seinem eigentlichen Gegner Washington und der NATO gesetzt hatte, anstatt die Stärke Russlands auszubauen. Mearsheimer stellt den Ukraine-Konflikt als Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine dar, doch das ist falsch. Der Krieg findet zwischen Washington und Russland statt, wobei die NATO bzw. Europa an der Seite Washingtons gegen Russland stehen. Die Ukraine fungiert dabei als Stellvertreter. Anstatt seine eigentlichen Feinde zu bekämpfen, kämpft Putin gegen deren Stellvertreter. Mearsheimer macht Trumps Unfähigkeit, sich gegen den Widerstand Europas und der Ukraine durchzusetzen, für das Scheitern des Abkommens von Anchorage zur Beilegung des Konflikts verantwortlich. Doch das ist Unsinn. Die Ukraine ist ein Geschöpf Washingtons; sie besitzt keinerlei Unabhängigkeit von Washington. Europa verfügt über keine anderen Waffen als jene, die Washington ihm zugesteht. Wenn Washington Russland, den Iran, Indien und China durch Sanktionen disziplinieren kann, so kann es dies auch mit Europa tun. Es ist unsinnig, dass Mearsheimer die Schuld auf Europa schiebt. Weder die amerikanische außenpolitische Elite noch irgendeine US-Regierung hat sich von der Wolfowitz-Doktrin der amerikanischen Hegemonie distanziert. Mearsheimer erklärt nicht, warum Russland beim Treffen in Alaska darauf setzte, dass Trump den Konflikt beilegen würde wo dieser Konflikt doch das Ergebnis von Washingtons Versuch ist, Russland zu schwächen und die russische Eindämmung des US-Unilateralismus zu beseitigen. Mearsheimer behauptet, Putin habe sich vor etwa drei Monaten im Juni 2026 nach 4,5 Jahren Konflikt endlich dazu entschlossen, hinreichende militärische Gewalt anzuwenden, um den Konflikt zu beenden. Doch warum hat Putin 4,5 Jahre gewartet, bevor er einen echten Krieg führte? Das Einzige, was Putin in diesen 4,5 Kriegsjahren erreichte, war, die heutige russische Militärkapazität als ineffektiv darzustellen; schließlich dauerte der Konflikt doppelt so lange wie jene Zeitspanne, die Stalins Rote Armee benötigte, um die mächtige Wehrmacht aus Russland und Mitteleuropa zu vertreiben und Berlin zu erreichen. Kein Wunder, dass man in Europa glaubt, eine Kriegsvorbereitung gegen Russland sei keine große Sache. Wenn Putin nicht in der Lage ist, die Ukraine zu besiegen, wie soll Russland dann ganz Europa und, sollte das NATO-Bündnis halten, auch den USA die Stirn bieten? Mearsheimer bezeichnet es als töricht, wenn Russland die gesamte Ukraine erobern würde. Warum? Mearsheimer selbst räumt ein, dass die Westukraine sollte sie als Rumpfstaat bestehen bleiben aufgrund von Washingtons Unterstützung für die Anhänger Stepan Banderas ein feindseliger Staat gegenüber Russland wäre. Warum sollte Russland einen feindseligen Staat an seiner Grenze dulden? Vielleicht braucht Russland einen Stalin, um mit den feindseligen Ukrainern fertigzuwerden. Man würde kurzen Prozess mit ihnen machen. Wenn Putins Russland zu schwach ist, um mit den heutigen Anhängern Stepan Banderas fertigzuwerden, hat Russland keine Zukunft. Mearsheimer stellt den Konflikt als einen zwischen Russland und der Ukraine dar. Das ist falsch. Der Konflikt findet zwischen Russland und Washington statt. Die Ukraine ist nichts weiter als ein Stellvertreter Washingtons so wie Washington im Konflikt mit dem Iran als Stellvertreter Israels agiert. Seit viereinhalb Jahren weigert sich Putin anzuerkennen, dass sich Russland in einem militärischen Konflikt mit den Vereinigten Staaten von Amerika und Washingtons europäischem Imperium befindet. Washington hat sogar die Nord-Stream-Pipeline gesprengt, doch weder Russland noch Europa waren bereit, Washington als den Schuldigen zu benennen. Putin tut so, als handele es sich bei den Drohnenangriffen tief im russischen Hinterland um Terrorakte und nicht um Kriegshandlungen. Mit anderen Worten: Putin hat dem Konflikt ein falsches Narrativ übergestülpt, um der Tatsache auszuweichen, dass der Westen Krieg gegen Russland führt. Anstatt russische Stärke und Entschlossenheit zu zeigen, hat Putin viereinhalb Jahre lang ein zaghaftes, vor entschlossenem Handeln zurückschreckendes Russland präsentiert; damit hat er das Bild eines Papiertigers geschaffen, was Europa in seiner wachsenden Aggression gegen Russland bestärkt hat. Dies ist Putins verhängnisvoller Fehler ein Weg, der in den Armageddon führt. |
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| erschienen am 18. September 2026 auf > Paul Craig Roberts' Website > Artikel | |||
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