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| Die SMS,
die die NATO spaltete: Trumps Demütigung Macrons Macrons SMS scheint das Ende der NATO und der auf Eis gelegten besonderen Partnerschaft einzuläuten Martin Jay
Die neue Verachtung, die Trump dem französischen Präsidenten entgegenbringt, der ihn kontaktiert und einen G7-Gipfel in Paris vorgeschlagen hatte, ist in vielerlei Hinsicht besorgniserregend. Sie scheint das Ende der NATO und der auf Eis gelegten besonderen Partnerschaft zu bedeuten. Im politischen Leben gibt es nur wenige Gewissheiten, aber man kann nun mit Sicherheit davon ausgehen, dass Präsident Emmanuel Macron Donald Trump nie wieder eine private SMS schicken wird. Diese außergewöhnliche Episode Trumps Veröffentlichung der Nachricht in den sozialen Medien und die anschließende Verhöhnung des französischen Präsidenten hat in den europäischen Hauptstädten für Aufsehen gesorgt und ist in vielerlei Hinsicht aufschlussreich. Für Macron und Frankreich zeigt sie eine neue Stufe dreister Verachtung, die sein verbliebenes politisches Kapital weiter untergraben und viele französische Kommentatoren fragen lassen wird, ob Amerika überhaupt noch ein Verbündeter ist. Für den Rest Europas sind die Nachricht und ihre demütigende Reaktion bezeichnend. Sie zeigen, dass Trump die EU-Länder als potenzielle Partner in seiner umfassenderen Vision für Amerika aufgegeben hat. Macrons Nachricht liest sich wie ein Appell und schlägt ein kurzfristiges G7-Treffen mit anschließendem Galadinner vor ganz im Stil des Pomp und der Zeremonie, die Trump in London genossen hat. Zwei Hauptpunkte der Nachricht offenbaren die zentralen europäischen Sorgen: Grönland und Iran. Haben die europäischen Staats- und Regierungschefs verlässliche Geheimdienstinformationen, die darauf hindeuten, dass Trump kurz vor einem Großangriff auf den Iran steht? Wahrscheinlich. Glauben sie, dass ihre diplomatischen Fähigkeiten die von Trumps Beratern übertreffen und ihn angesichts der unvorstellbaren Folgen einer iranischen Vergeltung davon abbringen könnten? Auch wahrscheinlich. Doch sie verkennen Trumps Charakter und seine Motive. Macron ist nicht der Einzige, der nach dem Scheitern seines diplomatischen Korps klägliche Nachrichten in letzter Minute verschickt. Trump schrieb kürzlich an die Norweger und beklagte sich darüber, dass sie ihm den Friedensnobelpreis nicht verliehen hätten. Er deutete an, dass er ohne ihre Anerkennung weniger geneigt wäre, Friedensbemühungen zu unternehmen und behauptete fälschlicherweise, weltweit acht Kriege verhindert zu haben. Tatsächlich ist Trump es leid, Beziehungen zu pflegen, die ihn nicht weiterbringen. Das Durchsickern solcher Nachrichten wird jeden EU-Staats- und Regierungschef lediglich davon abhalten, Kontakt zu ihm aufzunehmen genau das, was er will, während er seine radikalsten Ideen vorantreibt, namentlich Grönland und, möglicherweise, Iran. Diese beiden Manöver unterstreichen, wie auch Macrons Botschaft, einen Punkt, den nur wenige EU-Staats- und Regierungschefs wahrhaben wollen: Die Vereinigten Staaten von Amerika sind alles andere als ein Verbündeter, wenn sie im Alleingang einen Regimewechsel im Iran und eine Invasion in Grönland anstreben. Jüngste Truppenverlegungen von EU-Ländern in die Arktis bekräftigen diese Befürchtung. Man könnte sich sogar fragen: Könnten sich die Europäer im Krieg mit den USA wiederfinden? Trumps Reaktion ist ebenso besorgniserregend: Zölle für seine Gegner. Die Pattsituation in Grönland beweist, dass seine Andeutungen an Norwegen dass er bereit ist, die NATO im Interesse der USA aufzulösen sehr real und für Europa zutiefst beunruhigend sind. Der durchgesickerte Text unterstreicht somit einen beunruhigenden Punkt: Amerika ist nicht länger Freund oder Verbündeter, sondern könnte unter der Trump-Administration sogar zum Feind werden. Anders gesagt: Alles ist ungewiss, und die EU muss nun eine NATO ohne die USA in Betracht ziehen. Diese Idee ist gar nicht so abwegig, wie sie klingt. 2007 erzählten mir hochrangige US-Offiziere in Afghanistan, dass die USA 8.000 Soldaten nicht an die NATO-geführte ISAF-Mission gebunden hatten. Nur für den Fall, dass die Lage außer Kontrolle gerät, erklärte ein General. Er meinte damit, dass die USA eine duale Kommandostruktur aufrechterhielten, falls NATO-Partner die amerikanische Vorherrschaft infrage stellen sollten. Vielleicht ist dies die Zukunft für die Europäer die zweifellos nur wenige Stunden nach Bekanntwerden des Briefwechsels zwischen Macron und Trump das alte Konzept einer EU-Armee wieder aufgreifen werden. Macron mag die Tragweite dessen natürlich nicht vollständig erfassen. Der selbstverliebte Staatschef glaubt, für die gesamte EU zu sprechen, selbst wenn ihn solche Aktionen in der Öffentlichkeit in Verruf bringen. Doch er ist nicht allein. Das Trio Frankreich, Großbritannien und Deutschland hatte in seiner gesamten Geschichte noch nie schwächere und erbärmlichere Führungspersönlichkeiten. Wir befinden uns auf einem neuen Tiefpunkt, und Trump erinnert uns nur allzu gern daran. Einige neue Gewissheiten zeichnen sich nun ab: Der Niedergang der NATO mit den USA als ihrem wichtigsten Partner ist nahezu unausweichlich. Dies könnte eine Vertrauenskrise im gesamten EU-Projekt auslösen, da deutsche rechtsextreme Gruppen erstmals offen den Austritt Deutschlands aus dem Brüsseler Block fordern würden. Ein Handelskrieg ist ebenfalls wahrscheinlich, mit erhöhten europäischen Zöllen auf US-Waren, und eine pragmatischere Herangehensweise an die Ukraine-Krise könnte in den Vordergrund rücken. In den letzten Tagen haben sich immer mehr EU-Staats- und Regierungschefs für einen Dialog mit Russland ausgesprochen Macrons Text deutete dies ebenfalls an , sodass der Ukraine-Krieg für Europa zu einem Instrument werden könnte, um die neue US-Krise nach eigenem Ermessen zu bewältigen. Viele werden zu dem Schluss kommen, dass Trump bestenfalls ein alter Mann in der Krise ist oder schlimmstenfalls einer, der den Verstand verliert. |
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| erschienen am 21. Januar 2026 auf > Strategic Culture Foundation > Artikel | ||||||||||||||
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